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ALPINE VOLKSHOCHSCHULE. Vorlesung coop Die Fabrikanten, '11 – '13.

 
Auf einem Berggipfel über das Bergsteigen nachzudenken und geografische mit geistiger Höhe zu verbinden, ist die Idee der Alpinen Volkshochschule. Wir - Florian Sedmak coop Die Fabrikanten - verwirklichen sie erstmals am Samstag, 15. Oktober 2011 mit der Tiroler Kulturwissenschafterin und Alpinintellektuellen Helga Peskoller auf dem Gartenzinken in 1.557 m über Normalnull. Peskoller darf seit spätestens seit ihren Büchern "BergDenken" und "extrem" getrost zu den gescheitesten Köpfen im Bergsteigdiskurs gezählt werden, der Gartenzinken als westlicher Gipfel der imposanten Zimnitz zu den schönsten Bergen des Salzkammergutes (wenn nicht überhaupt des Alpennordrands).
Nach gemeinsamem wortlosem Aufstieg und einer lockeren Vorrede auf dem unterhalb des Gartenzinken gelegenen Walkerskogel spricht Peskoller unter strahlender Mittagssonne in einfachen, aber sehr substanziellen und oft poetischen Worten über das Biwak und die damit verbundenen Zustände des Untätigseins. Ein mitgeführtes MacBook sorgt für die Zuspielungen der zur stimmungsvollen Lecture gehörenden experimentellen Musik.

Der Schober (1.328 m) über dem Fuschlsee ist am fast noch sommerwarmen Sonntag, 21. Oktober 2012 Vorlesungsaal für die zweite Ausgabe der Alpinen Volkshochschule mit rund 20 Teilnehmenden. Darin spricht der Schweizer Intellektuelle, Pädagoge und Autor Albert Vinzens, von dem das Bergbuch "Tod im Granit" über eine tödliche Kletterei im Yosemite stammt. Vinzens beginnt seine leise-präzisen Ausführungen Sprechen wo das Schweigen anfängt mit einem Exkurs über die Herausforderung, die Stimme auf einem Gipfel zu erheben, wo Schweigen die Regel und Sprechen die Ausnahme ist: Wie hier lehren zu wollen, ohne den unangemessenen Gestus des Bergpredigers anzunehmen? Ausgehend von einem Zitat des Schweizer Extremautors Ludwig Hohl, es gebe keine Wunder, umkreist der Leiter einer Steiner-Schule die Frage, ob künstlerische und ästhetische Höchstleistungen nicht doch Wunder seien. Ausführlich denkt er auch darüber nach, ob die Künstler oder die Alpinisten das größere Wagnis eingingen und den größeren Einsatz an Leib und Leben leisteten - um schließlich die größere Risikofreude tendenziell in der Kunst zu orten.

Die dritte und letzte Vorlesung findet am sonnig-warmen 13. Oktober 2013 mit Luis Töchterle auf dem Steineck (1.418 m) am äußersten Alpennordrand statt. Unter dem Titel Tage draußen skizziert der über dreißig Jahre für die Jugendarbeit des Alpenvereins zuständig gewesene Pädagoge, wie und wo das Leben von Kindern und Jugendlichen heute in aller Regel stattfindet: drinnen, unter wohlmeinender Aufsicht, organisiert und zu einem guten Teil in simulierten Wirklichkeiten. Dem steht unsere genetische Disposition entgegen. Denn legte man die 5 Millionen Jahre währende Menschheitsgeschichte auf ein 70jähriges Menschenleben um, hätten wir 1-2 Tage in komfortabler Zivilisation und den Rest als Stammesmitglieder in der Natur verbracht. Grund genug, junge Leute (und nicht nur die) in die Wildnis zu locken, wo sie ihre Anlagen entfalten und sich einen unverzichtbaren Lernraum aneignen können.



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