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KURORT. Hardcore, '87-'97.

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Andreas Wimmer - Stimme
Florian Sedmak - Gitarre, Texte, Musik
Martin Wimmer - Bass, Texte, Musik
Rudi Vogtenhuber jun. - Schlagzeug.

 

Im Sommer 1987 lief ich Martin Wimmer, in der Schule eine Klasse über mir und diese Ferien Geld als Stadtgärtner verdienend, im Rudolfspark von Bad Ischl über den Weg. Er hatte einen Bass, konnte eine Blues-Linie in G und schwärmte für Jim Morrison und die Doors. Wir verabredeten uns, spielten einen Blues in G und gründeten mit Martins Bruder Andreas als Sänger und Michael Berner, eine bzw. zwei Schulklassen tiefer mit Schlagzeug und einer heimlichen Neigung zum Jazz, eine Band. Wir waren Der Kurort, angeödet von der biederen Langweile unserer Heimatstadt und zornig. Wir hielten uns an die Sex Pistols und die Stranglers und spielten wirres Zeug.

Über die Konzerte im Kino Ebensee und die Kapu in Linz, die von der grandiosen Hardcore-Welle der späten 1980er durchgespült wurde, lernten wir die verschwenderisch energiereichen musikalische Welten des Jetzt kennen. Weil wir ja weder Amerikaner noch Engländer (noch Australier und Neuseeländer) waren, entschieden wir gleich zu Beginn, dass Englisch nicht unsere Verkehrssprache sein könne und schrieben unsere Texte in umgangssprachlich hinausgeschrienem Deutsch.

Veranstalter und gestandene Bands hatten Erbarmen mit uns und ließen uns spielen. In Salzburg spielten wir im KPÖ-Volksheim unter anderem mit Center za dehumanizacije aus Maribor zusammen, deren Hauptfigur Dusan Hedl uns zu drei Konzerten nach Slowenien einlud. In Ormoz, einem kleinen Dorf in den Weinbergen, spielten wir am letzten Nationalfeiertag des bald darauf auseinanderbrechenden Jugoslawien vor hunderten enthusiastischen Menschen und nahmen Dusans Angebot an, auf seinem Label eine Single herauszubringen, die wir mit Andreas Luigi Luger im Parkstudio Linz aufnahmen.

Als Rudi Vogtenhuber jun. am Schlagzeughocker Platz nahm, wurde es brutal; das "Der" im Bandnamen fiel weg, wir wurden schneller, metallischer, härter und genauer. Gleichzeitig wurden wir verspielter und freier, schmückten die LPs mit kurzen Instrumentalinterventionen und Sonfragmenten aus, erlaubten uns Stücke in Blues-Atmosphäre und Percussiontrips.

Kurort waren die aus der Provinz, anfangs belächelt, dann respektiert, dann in bescheidenem Umkreis "legendär", mit Naheverhältnissen nach hier und dort, aber nie fester Bestandteil lokaler Szenen, schließlich waren wir lange Jahre die Szene bei uns daheim, sonst niemand.

Wir tourten mit den großartigen Sink aus England in Polen, dann alleine ein erstes Mal in der Schweiz; "Spring" war unsere zweite und schon viel ausgegorenere Single, und so wuchs das Monster, dem wir unsere Jugend opferten, während die meisten anderen unserer Generation mehr und weniger eifrig arbeiteten und studierten.

"Frost" (1992), "Stachanov" (1994) und "Miss Fitness USA" (1996) waren unsere Longplayer bzw. CDs, alle auf Sacro Egoismo und Trost erschienen und mit Fritz Effenberger im mittlerweile auch schon Geschichte gewordenen Studio Phase IV bei Augsburg aufgenommen. "Oslo" war die dritte und letzte Single; über die Sampler mit Kurort-Beteiligung haben wir die Übersicht verloren.

Eine lange Tourfreundschaft verband uns mit den Grauen Zellen aus Norddeutschland, mit den dummen Amerikanern von Naked Aggression durchlitten wir einen siebenwöchige Europatour.
1997, nach hunderten Konzerten zuhause, in Deutschland, der Schweiz, Slowenien, Ungarn, Polen, Tschechien und der Slowakei, Dänemark, Schweden und Norwegen, Italien, Portugal, Spanien, Belgien und Holland war die Luft endgültig heraussen, unsere Beziehungen spröde und brüchig geworden.


Foto: Silvia Panzl-Schmoller



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